The Sound of Lech
museum magazin23/2019




The Sound of Lech - Eine Hör-Ausstellung des Lechmuseums

Text: Monika Gärtner, Birgit Heinrich Wie klingt Heimat? Jeder Ort hat beim genauen Hinhören seine individuelle Klanglandschaft, mit ihrem saisonalen Rhythmus, ihren Geräuschen und verschiedenen Sprachen. Die aktuelle Sonderausstellung des Lechmuseums erzählt von den lauten und leisen Seiten eines Ortes, genauso wie von gegenwärtigen und vergangenen Klängen. Text: Monika Gärtner, Birgit Heinrich

Versucht man auf Geräusche von Orten genauer zu achten, stellt man fest, dass jede Ortschaft ihren eigenen Rhythmus besitzt. Im Falle von Lech ist dieser Takt nicht nur durch die Bergnatur und ihre Jahreszeiten, sondern auch durch die saisonale Struktur bedingt. Diese Klänge sind während der gesamten Wintersaison dominant und stellen einen gewissen Grundton dar. Mit dem Stillstand der Liftanlagen und dem Beginn der Zwischensaison verändert sich die sogenannte Klanglandschaft. Im Sommer, wenn die Bauarbeiten wieder verstummen, kommen andere Klänge, wie zum Beispiel die der Landwirtschaft, zum Vorschein.

Die Ausstellung „The Sound of Lech“ unternimmt einen kulturgeschichtlichen Ausflug. Gleichzeitig möchte sie das Publikum „zum Hören anstiften“ und die Klanglandschaft eines Ortes ergründen. Sei es mithilfe gedrechselter Holztrichter, die beim Museumsfenster hinausgehalten den viertelstündigen Schlag der Kirchturmuhr aus der Ferne einfangen, oder Hörrohre, die in den Unterkünften und Bushaltestellen in Lech zum Lauschen einladen. Dabei werden Fragen gestellt wie: Was bedeutet für mich persönlich Stille? Und welches Geräusch höre ich als Erstes in der Früh beim Aufwachen oder zuletzt beim Schlafengehen? Interventionen im öffentlichen Raum machen auf neue „Hörenswürdigkeiten“ in Lech und seiner Umgebung aufmerksam. Sie regen an, Orte neu zu erfahren und sich mit dem eigenen Hören zu beschäftigen. Eine Werkstatt mit verschwundenen Klängen verbildlicht, wie groß die technischen Veränderungen des letzten Jahrhunderts waren und lädt zum Experimentieren ein. Seit einigen Jahren produziert Radioredakteurin Sonja Prieth zur jeweiligen Ausstellung des Lechmuseums ein eigenes Hörstück, in dem sie unterschiedliche Personen des Ortes zu Wort kommen lässt. Vergessene Klänge werden in Erinnerung gerufen und mit dem Heute verglichen.

Reisen schärft unsere Wahrnehmung. Je weiter wir uns von unserer vertrauten Umgebung entfernen, je mehr Reize uns umgeben, desto eher werden unsere Sinne aktiviert,

so die Ethnologin Evelyn Reso über die Sensibilität der Urlauber auf akustische Eindrücke. So haben sich die Geräusche des Reisens im Laufe der Geschichte stark verändert, genauso wie die Erwartungshaltung der Erholungssuchenden an das Zielgebiet.

Ein Kapitel widmet sich den Kirchenglocken. Es stammt aus der Ausstellung „Die Glocken herunter in eisernen Zeiten“ des vorarlberg museums. Mit Zuhilfenahme von „Virtual-Reality- Brillen“ ist eine multimediale Glocken-Installation integriert, die die unrühmliche Geschichte der Glockenabnahmen in den Vorarlberger Gemeinden für die Waffenproduktion während des Ersten Weltkrieges thematisiert. Dieses virtuelle Erlebnis entstand unter der Ägide von Theresia Anwander und Thomas Felfer in Zusammenarbeit mit dem jungen Kollektiv „ixxy, rootinteractive & attic sound“ aus Brighton.

Ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm drinnen und draußen vertieft die verschiedenen Aspekte und lädt zu Sound-Spaziergängen, musikalischen Ausstellungsbesuchen, Vorträgen oder Gesprächen mit dem Ausstellungsteam des Lechmuseums, Birgit Heinrich, Sabine Maghörndl und Monika Gärtner, ein. In bewährter Weise sind für Familien und Kinder spezielle Module in der Ausstellung und im Programm erlebnisreich gestaltet.